WG-Putzdienst organisieren. Fair und ohne Streit

24. October 2026 • FixGeplant Blog

7 Min. Lesezeit

Warum WG-Putzpläne so oft scheitern

Fast jede Wohngemeinschaft kennt das Spiel. Am Anfang putzen alle. Nach drei Wochen putzt nur noch eine Person. Nach drei Monaten steht das Geschirr in der Spüle, der Müll quillt über, und niemand traut sich, etwas zu sagen, weil ja eigentlich alle wissen, dass sie selbst auch nicht regelmäßig drangewesen sind. Ein gefühltes Patt, das in jeder zweiten WG zu echten Streitereien führt.

Der Grund ist selten Faulheit. Der Grund ist fehlende Sichtbarkeit. Niemand weiß genau, wer wann was zuletzt gemacht hat. Anna meint, sie hätte am Sonntag die Küche gewischt. Tobi schwört, dass er den Müll dreimal in Folge runtergebracht hat. Lisa hat das Bad geputzt, aber niemand hat es gesehen. Und Jonas hat einfach den Kopf eingezogen und gehofft, dass keiner fragt.

Ein guter Putzplan löst genau dieses Problem. Er macht Aufgaben sichtbar, verteilt sie nachvollziehbar, und schafft eine Grundlage, auf die man sich berufen kann, ohne dass es persönlich wird.

Was ein WG-Putzplan abdecken muss

Bevor ihr Schichten verteilt, sollte klar sein, was eigentlich anfällt. In einer Vierer-WG mit normalem Standard sind das in etwa folgende Aufgaben:

AufgabeFrequenzDauerSchwierigkeit
Küche wischen und Herd putzen1x pro Woche30 Min.Mittel
Bad putzen (Dusche, WC, Waschbecken)1x pro Woche40 Min.Hoch
Müll und Recycling rausbringen2x pro Woche10 Min.Niedrig
Flur und Wohnzimmer saugen1x pro Woche20 Min.Niedrig
Wischen aller Böden1x alle 2 Wochen30 Min.Mittel
Kühlschrank reinigen1x pro Monat25 Min.Mittel
Fenster putzen1x pro Quartal60 Min.Hoch

Tipp

Listet die Aufgaben gemeinsam auf einem Zettel zusammen, bevor ihr den Plan baut. Oft tauchen Dinge auf, an die niemand gedacht hat: Treppenhaus, Briefkasten leeren, Pfandflaschen wegbringen. Lieber einmal sauber sortieren als später diskutieren.

Rotation: Wer macht wann was?

Die einfachste Rotation ist die Wochen-Rotation: Jede Woche ist eine andere Person für alles zuständig. Das funktioniert in 2er- und 3er-WGs gut. Ab vier Personen wird es unfair, weil drei Wochen lang nichts gemacht werden muss, dann eine Woche alles auf einmal. Das endet wieder in Vergesslichkeit.

Besser ist die Aufgaben-Rotation: Jede Aufgabe wandert pro Woche eine Person weiter. So macht jeder jede Woche eine kleine Aufgabe, nicht eine große alle vier Wochen.

Beispiel: WG mit 4 Studenten (Anna, Tobi, Lisa, Jonas)

WocheKücheBadMüllSaugen
KW 14AnnaTobiLisaJonas
KW 15TobiLisaJonasAnna
KW 16LisaJonasAnnaTobi
KW 17JonasAnnaTobiLisa

Nach vier Wochen war jeder einmal an jeder Aufgabe. Niemand muss eine Woche lang die ganze Wohnung putzen. Und keiner kann sich beschweren, dass er ständig das Bad bekommt, denn nach vier Wochen wechselt es weiter.

Best Practice

Setzt einen festen Wochentag als Putz-Deadline. Sonntagabend hat sich in vielen WGs bewährt. Wer bis Sonntag 22 Uhr nicht erledigt hat, was im Plan steht, holt es am Montag nach. Klare Frist, kein Diskussionsbedarf.

Was tun, wenn jemand nicht kann?

Reiserei, Klausurenphase, Krankheit. Das passiert. Wichtig ist, dass das offen kommuniziert wird, idealerweise im Plan selbst. In einem Online-Schichtplan kann eine Person ihre Schicht freigeben und jemand anders übernimmt sie, im Gegenzug wird die nächste eigene Schicht getauscht.

Tauschregeln, die sich bewährt haben

  • Tausch mindestens drei Tage vorher ansagen. Spontan funktioniert selten.
  • Direkter Tausch statt Schuld. Lieber Schicht gegen Schicht als „Ich hol's nach".
  • Eine offene Schicht im Plan. Wer kurzfristig krank wird, trägt es ein, und der nächste Verfügbare springt ein.
  • Nach drei verpassten Schichten: Gespräch in der WG, kein Putzdienst-Drama, sondern eine ehrliche Klärung.

Warnung

Vermeidet das Pseudo-System „macht halt jeder, wenn er Zeit hat". Das klingt entspannt, führt aber genau in das Putz-Chaos, das ihr eigentlich vermeiden wolltet. Klarheit ist freundlicher als Hoffnung.

Putzplan als Aushang oder digital?

Der klassische Plan am Kühlschrank wird übersehen, sobald er drei Wochen alt ist. Digitale Pläne sind besser, weil sie sich automatisch fortschreiben, jeder vom Handy aus reinschauen kann und niemand behaupten kann, er hätte den Plan nicht gekannt.

FormatVorteileNachteile
Aushang am KühlschrankSichtbar, einfachVeraltet schnell, nicht erweiterbar
WhatsApp-GruppeDirekter DrahtGeht in Chatverlauf unter
Google SheetZentral, alle sehen esLogin nötig, nicht für jeden bequem
Schichtplan-Tool wie FixGeplantLink reicht, mobil bedienbarInternet nötig

Wenn einer dauerhaft nicht mitmacht

Es gibt diesen Fall: Drei putzen, einer nicht. Der Plan zeigt es schwarz auf weiß, aber der Mitbewohner zuckt nur mit den Schultern. Was tun?

Erst einmal: ehrlich nachfragen, nicht passiv-aggressiv. Vielleicht steckt etwas dahinter, das nichts mit der WG zu tun hat. Wenn das nichts ändert, gibt es zwei Optionen:

  • Putzkraft engagieren und Kosten teilen. Wer nicht selbst putzt, zahlt anteilig mehr. 60 bis 90 Euro im Monat, geteilt durch vier Personen, ist in vielen WGs ein fairer Kompromiss.
  • Aufgaben fest zuteilen. Wer sich auf Rotation nicht einlässt, übernimmt dauerhaft eine bestimmte Aufgabe, die er erledigen kann. Müll und Pfandflaschen zum Beispiel.

Saisonale Sonderaufgaben einplanen

Ein WG-Putzplan deckt den Alltag ab. Aber es gibt Aufgaben, die nur ein- bis zweimal im Jahr anfallen. Die sollten ebenfalls im Plan auftauchen, damit sie nicht vergessen werden:

AufgabeWannDauer
Fenster außen putzenApril und Oktober2 Stunden
Heizung entlüftenSeptember30 Minuten
Keller ausmistenJanuar3 Stunden
Vorhänge waschenMärz1 Stunde
Backofen reinigenAlle 3 Monate1 Stunde

Putzplan und Hausverwaltung

In manchen Mietverträgen steht Treppenhausreinigung als Mieterpflicht. Wer das ignoriert, riskiert Abmahnungen. Auch das gehört in den Plan, und am besten mit einer klaren Reihenfolge, die sich am Klingelschild orientiert. So gibt es im Haus keine Streitereien zwischen den Parteien.

Der entscheidende Punkt: Sichtbarkeit

Am Ende geht es nicht darum, den perfekten Plan zu bauen. Es geht darum, dass alle sehen, was läuft. Ein einfacher, klarer Plan, auf den jeder vom Handy aus zugreifen kann, schlägt jede komplizierte Excel-Tabelle, die niemand öffnet.

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Online-Schichtplan für die WG?

Eine Person legt den Plan an, definiert die Aufgaben und die Wochen, und teilt den Link in die WG-Gruppe. Jeder trägt sich selbst in seine Schicht ein. Änderungen sind jederzeit für alle sichtbar, ohne dass jemand etwas ausdrucken oder erneut versenden muss.

Können sich mehrere Personen für eine Schicht eintragen?

Ja, das ist sinnvoll bei Großeinsätzen wie Frühjahrsputz oder Keller ausmisten. Pro Aufgabe lässt sich die maximale Personenzahl festlegen. Für Standardaufgaben wie Müll rausbringen ist eine Person genug.

Brauche ich einen Account für die WG?

Nein. Der Plan funktioniert ohne Registrierung. Wer den Link hat, kann sich eintragen oder ändern. Wer den Admin-Link hat, kann Aufgaben hinzufügen oder löschen.

Was tun, wenn die Rotation nicht aufgeht (etwa 3 Personen, 4 Aufgaben)?

Dann läuft die Rotation einfach versetzt weiter. Über mehrere Wochen gleicht sich das aus, weil jede Person über die Zeit jede Aufgabe gleich oft macht. Wichtig ist nur, dass der Plan über mindestens 12 Wochen sichtbar bleibt.

Wie geht ihr mit Pärchen in der WG um?

Pärchen zählen meistens als zwei eigenständige Personen. Beide haben eigene Schichten. Klärt das aber vorab im Plan, damit nicht später diskutiert wird, ob beide oder nur einer drankommt.

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